[Udo Dziersk] Text zu Udo Dziersk ARBEITEN – FILSER & GRÄF

Text zu Udo Dziersk ARBEITEN | 우도 져스크 
„Nippes, Kitsch, Barock- und Klassikimitate, Putten und Gartenzwerge – Udo Dziersk liebt dieses Zeug, sammelt es, hat es in seinem Atelier immer zur Hand. Freunde wissen um diese Leidenschaft, schenken ihm Bizarres und vor Schrecklichkeit Schönes. Madonnen und leidende Christusse halten fröhlich Urständ mit der Vodoo-Puppe, ein missglückter Schwan aus Pappmaché pfeift sich ein merkwürdiges Liedchen drauf, und sanft lehnt die Pietà am brasilianischen Fruchtbarkeitskult.
Der jüngste Professor der Düsseldorfer Kunstakademie hat wenig Scheu vor Kurzschlüssen und Explosionen – so hochaufgeladen die Symbole auch sein mögen, mit denen er umgeht und seine kombinatorische Alchemie betreibt. Es ist die Haltung diesen Gegenständen und ihren Bedeutungen gegenüber, die ihn schützt. Seine Kenntnis der zahlreichen Wirkungsebenen, sein Respekt vor den Inhalten, die Weltbilder und deren Begrenztheit repräsentieren, ermöglichen den kreativen Prozess, in den der – auch was Technik und Materialien anbelangt – versierte Maler sie pointenreich oder verschleiert mit hineinnimmt. Dieser Prozess des künstlerischen Ringens mit „unterirdischen“ Strömungen entwickelt sich unter den Händen Udo Dziersks zum ausgereift versöhnlichen Bild. Welch handwerklicher Gestus auch dabei überwiegen mag, bildhauerisch gleichsam hervorhebend oder lasierend die Schichten des Verschwindens festhaltend, scheinbaren Dissonanzen, Ausbrüchen von wilder Übermalung, Zerstörung sogar, gepaart sein mag: Es mündet in gelungene Integration.
Dziersk ist Maler seiner subjektiven Gegenwart. Kein Mensch hat einen anderen Bewusstseinsort. Aber nicht jeder Mensch ist sich dieser banalen Wahrheit bewusst. Und von denen, die sich darüber im Klaren sind, sind die Wenigsten in der Lage, diesen Umstand zu fassen zu kriegen, ihn, mit was für Hilfsmitteln auch immer, auszudrücken, damit Gespräche entstehen. Das genau ist das Angebot, das Dziersk macht. Er hat gelernt, wie multiple Persönlichkeit zu sein hat, um in der Gegenwart existieren zu können. Wendet sich nicht übereilt ab von der unbequemen, schwindlig machenden Aussicht und versetzt sich deswegen in die Lage, mit wachsender Gewöhnung an den klaffenden Abgrund auch die Reize solcher Tiefe wahrzunehmen.
Udo Dziersk hat uns den Blick zurechtgerückt. Nach Jahren des Studiums so großer Künstler wie Kirkeby, Richter oder Baselitz darf sich der nach wie vor von Cranach d. Ä. inspirierte Lüpertz-Meisterschüler das heraus nehmen. Wir lassen es uns gerne gefallen. Ein bisschen Auflösung real existierender Rätselhaftigkeit tut gut. Ohne Ideologie, aber mit einer gewissen Ethik.“ Manfred Bade